Welches Netzteil habe ich — und reicht es?
Wer eine neue Grafikkarte einbauen will, merkt oft erst dann, dass unklar ist, welches Netzteil im PC steckt. Herausfinden lässt es sich in wenigen Minuten — allerdings nicht per Software. Hier steht, wo Modell und Wattzahl stehen, wie man das Typenschild liest und woran man erkennt, ob das Netzteil für das Upgrade reicht.
Warum Windows und Tools das Netzteil nicht anzeigen
Prozessor, Grafikkarte und Arbeitsspeicher melden sich beim System an — das Netzteil nicht. Ein gewöhnliches PC-Netzteil hat keine Datenverbindung zum Mainboard. Programme wie HWiNFO, CPU-Z oder Speccy können deshalb höchstens die Spannungen anzeigen, die das Mainboard selbst misst. Hersteller, Modell und Wattzahl des Netzteils kennen sie nicht.
Die Ausnahme sind digitale Netzteile mit eigenem USB-Anschluss. Corsair-Netzteile mit einem „i“ im Modellnamen lassen sich zum Beispiel über die Software iCUE auslesen — vorausgesetzt, das USB-Kabel des Netzteils steckt am Mainboard. Für alle anderen gilt: nachsehen statt nachschlagen.
Netzteil herausfinden: drei Wege
1. Rechnung, Bestellung oder Verpackung
Wer seinen PC selbst zusammengestellt hat, findet das Netzteil am schnellsten in der Bestellhistorie des Händlers oder auf dem Karton. Das reicht, wenn sicher ist, dass seither nichts getauscht wurde.
2. Komplett-PC: über Seriennummer oder Modellnummer
Bei Komplett-PCs steht die Ausstattung oft auf der Support-Seite des Herstellers. Dafür braucht man die Kennung des Geräts: den Service-Tag bei Dell, Seriennummer und Produktnummer bei HP, den Machine Type bei Lenovo, die SNID bei Acer oder die MD-Nummer bei Medion. Sie steht auf einem Aufkleber am Gehäuse, meist hinten oder unten. Nicht jede Herstellerseite nennt das genaue Netzteilmodell — oft nur die Leistung. Dann führt kein Weg am Typenschild vorbei.
3. Das Typenschild am Netzteil
Das Typenschild ist ein Aufkleber direkt auf dem Netzteil. Je nach Gehäuse ist er schon durch das Seitenfenster zu sehen, meist muss eine Seitenwand ab. So geht es sicher:
- PC herunterfahren, den Schalter hinten am Netzteil auf „0“ stellen und das Netzkabel ziehen.
- Kurz den Einschaltknopf am Gehäuse drücken, damit sich Reststrom auf dem Mainboard abbaut.
- Die Seitenwand nach Anleitung des Gehäuses abnehmen. Bei vielen Gehäusen sitzt das Netzteil unten hinter einer Abdeckung — dann ist die Seitenwand auf der Rückseite des Mainboards die richtige.
- Das Typenschild fotografieren, möglichst gerade und vollständig. Eine Taschenlampe hilft.
Das Typenschild richtig lesen
| Angabe | Bedeutung | Worauf achten |
|---|---|---|
| Gesamtleistung | Die Dauerleistung, etwa „650 W“ | Sie allein entscheidet nicht über ein Upgrade. |
| +12 V | Die Schiene, über die Prozessor und Grafikkarte fast ihre gesamte Leistung beziehen | Ampere × 12 ergibt die Watt, etwa 54 A → 648 W. Bei modernen Netzteilen liegt das nah an der Gesamtleistung, bei älteren oft deutlich darunter. |
| 80 Plus | Zertifikat für den Wirkungsgrad | Kein Qualitäts- und kein Leistungssiegel. |
| ATX-Version | Etwa ATX 3.0 oder 3.1 | Für aktuelle Grafikkarten relevant, siehe unten. |
| Anschlüsse | 6+2-polige PCIe-Stecker oder der 16-polige 12V-2x6 | Anzahl der Kabel zählt, nicht nur ob ein Stecker vorhanden ist. |
Reicht das Netzteil für eine neue Grafikkarte?
Eine einzelne Zahl beantwortet das nicht. Fünf Punkte gehören dazu:
- Wattzahl gegen die Herstellerempfehlung. Nvidia und AMD nennen für jede Karte eine Mindestgröße für das Netzteil. Sie gilt für ein typisches Gesamtsystem, nicht für die Karte allein.
- Anschlüsse. Braucht die Karte zwei 8-polige Stecker und das Netzteil hat nur einen, ist das ein deutliches Warnzeichen. Ein Adapter erzeugt keine Leistung.
- 12-Volt-Leistung. Bei älteren Netzteilen liegt sie teils weit unter der Gesamtleistung auf dem Etikett.
- Alter und Zustand. Kondensatoren altern, Wärme beschleunigt das. Ein altes Netzteil ist nicht automatisch zu schwach, aber vor einem teuren Upgrade ein Risikofaktor.
- Lastspitzen. Aktuelle Grafikkarten ziehen für Sekundenbruchteile deutlich mehr als ihre Nennleistung. Netzteile nach ATX 3.1 müssen kurzzeitig das Doppelte ihrer Nennleistung verkraften, für bis zu 100 Mikrosekunden. Ältere Netzteile schalten bei solchen Spitzen eher ab.
Was der Netzteilrechner für die häufigsten Grafikkarten empfiehlt
Aus 231.073 Systemen mit einer Grafikkarte, die auf netzteilrechner.com berechnet wurden (250.000 Berechnungen auf netzteilrechner.com, Stand Oktober 2026). „Hersteller“ ist die Netzteilgröße, die Nvidia oder AMD für die Karte empfehlen, „Rechner“ die Größe, die der Netzteilrechner für Systeme mit dieser Karte meistens empfiehlt. Die Spalten 650, 750 und 850 W zeigen, bei wie vielen dieser Systeme ein Netzteil dieser Größe auf oder über der Empfehlung des Rechners liegt.
| Grafikkarte | Hersteller | Rechner | 650 W | 750 W | 850 W |
|---|---|---|---|---|---|
| AMD Radeon RX 9070 XT | 750 W | 750 W | 0 % | 85 % | 95 % |
| Nvidia GeForce RTX 5080 | 850 W | 850 W | 0 % | 0 % | 82 % |
| Nvidia GeForce RTX 5070 Ti | 750 W | 750 W | 0 % | 79 % | 92 % |
| Nvidia GeForce RTX 5070 | 650 W | 650 W | 76 % | 92 % | 98 % |
| AMD Radeon RX 9060 XT | 450 W | 450 W | 95 % | 99 % | 100 % |
| Nvidia GeForce RTX 5090 | 1.000 W | 1.000 W | 0 % | 0 % | 0 % |
| AMD Radeon RX 7800 XT | 700 W | 700 W | 0 % | 94 % | 98 % |
| Nvidia GeForce RTX 3060 | 550 W | 550 W | 93 % | 98 % | 99 % |
| AMD Radeon RX 9070 | 650 W | 650 W | 91 % | 97 % | 99 % |
| Nvidia GeForce RTX 3070 | 650 W | 650 W | 90 % | 98 % | 99 % |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens trifft die Empfehlung des Rechners für typische Systeme fast immer genau die Angabe des Herstellers — die Herstellerempfehlungen sind also keine übertriebene Vorsicht. Zweitens reicht dieselbe Netzteilgröße nicht für jedes System mit derselben Karte: Bei der GeForce RTX 5070 liegt ein 650-Watt-Netzteil bei 76 Prozent der Systeme auf oder über der Empfehlung, bei den übrigen nicht. Den Unterschied machen Prozessor, Laufwerke, Lüfter und Übertaktung.
Netzteil-Schnellcheck
Für die 30 häufigsten Grafikkarten aus den Berechnungen:
- Hersteller empfiehlt
- 750 W
- Netzteilrechner empfiehlt meist
- 750 W
Ob es für das eigene System reicht, hängt auch von Prozessor, Laufwerken und Übertaktung ab — und von Anschlüssen und Zustand des Netzteils. Genau rechnet der Netzteilrechner. Eigenes System berechnen
Anzeichen für ein zu schwaches oder defektes Netzteil
| Anzeichen | Spricht für das Netzteil, wenn … | Gegenprobe |
|---|---|---|
| PC geht beim Spielen plötzlich aus oder startet neu | es nur unter hoher Last passiert, besonders nach einem Grafikkarten-Upgrade | Temperaturen von Prozessor und Grafikkarte prüfen — Überhitzung kann genauso aussehen |
| Schwarzes Bild, Lüfter laufen weiter | es bei Lastwechseln auftritt, etwa beim Laden einer Spielszene | Grafiktreiber neu installieren, Kabel der Grafikkarte prüfen |
| Bluescreens, auch ohne Last | selten — das deutet eher auf anderes hin | Arbeitsspeicher testen, Treiber prüfen |
| Pfeifen oder Fiepen | kein eindeutiges Zeichen; kann auch von der Grafikkarte kommen | im Leerlauf und unter Last vergleichen |
| PC startet gar nicht, Klicken aus dem Netzteil | es plötzlich auftritt | andere Steckdose, Netzkabel tauschen |
| Brandgeruch | immer ein ernstes Zeichen | sofort vom Strom trennen, nicht weiter testen |
Komplett-PCs: Nicht jedes Netzteil lässt sich tauschen
In Komplett-PCs stecken oft Netzteile, die sich nicht einfach gegen ein handelsübliches tauschen lassen: kleinere Bauformen, eigene Befestigungen oder Stecker. Manche Systeme nutzen ATX12VO — dabei liefert das Netzteil nur 12 Volt, und das Mainboard hat statt des üblichen 24-poligen einen 10-poligen Stromanschluss. Ein normales ATX-Netzteil passt dort nicht.
Fehlt dem Netzteil der Stromanschluss für die Grafikkarte, sind Adapter von SATA- oder Molex-Steckern keine Lösung. Und wer ein neues modulares Netzteil kauft, darf die Kabel des alten nicht weiterverwenden: Die Belegung auf der Netzteilseite unterscheidet sich zwischen Herstellern und sogar zwischen Modellen — ein falsches Kabel kann Mainboard oder Grafikkarte zerstören.
Häufige Fragen
Kann man das Netzteil per Software oder im BIOS auslesen?
In aller Regel nicht. Ein gewöhnliches Netzteil hat keine Datenverbindung zum Mainboard. Nur digitale Netzteile mit USB-Anschluss lassen sich über die Software des Herstellers auslesen.
Wo steht die Wattzahl des Netzteils?
Auf dem Typenschild am Netzteil, meist groß als Gesamtleistung, etwa „650 W“. Für Grafikkarten zählt zusätzlich die Leistung auf der 12-Volt-Schiene in derselben Tabelle.
Was passiert, wenn das Netzteil zu schwach ist?
Meist schaltet es unter Last ab, um sich zu schützen: Der PC geht beim Spielen plötzlich aus oder startet neu. Billige Netzteile ohne ausreichende Schutzschaltungen können im schlimmsten Fall auch angeschlossene Hardware beschädigen.
Bedeutet 80 Plus Gold, dass das Netzteil mehr leistet?
Nein. 80 Plus bewertet nur, wie viel Strom bei der Umwandlung verloren geht. Über Leistung, Qualität oder Anschlüsse sagt das Zertifikat nichts.
Reicht ein zehn Jahre altes Netzteil noch?
Das Alter allein entscheidet es nicht. Ältere Netzteile haben aber oft weniger Leistung auf der 12-Volt-Schiene, keine aktuellen Grafikkarten-Anschlüsse und sind nicht für die Lastspitzen heutiger Grafikkarten ausgelegt. Vor einem teuren Upgrade ist ein neues Netzteil oft die sicherere Wahl.
Kann man die Kabel des alten Netzteils weiterverwenden?
Nein. Modulare Kabel sind auf der Netzteilseite je nach Hersteller und Modell unterschiedlich belegt. Es gehören immer die Kabel an das Netzteil, mit dem sie geliefert wurden.
Welches Netzteil hat mein Laptop?
Beim Laptop ist das Netzteil der externe Stromadapter. Die Leistung steht auf seinem Aufdruck — entweder direkt in Watt oder als Spannung und Stromstärke unter „Output“, etwa 20 V und 6,75 A, also 135 W.
So wurde gerechnet
Die Tabelle und der Schnellcheck beruhen auf den jüngsten Berechnungen auf netzteilrechner.com (250.000 Berechnungen auf netzteilrechner.com, Stand Oktober 2026), mit dem aktuellen Rechenkern neu gerechnet. Berücksichtigt sind 231.073 Systeme mit genau einer Grafikkarte. Als Empfehlung zählt die erste Netzteilgröße, die die Ergebnisseite vorschlägt — einschließlich der Herstellerempfehlung der Grafikkarte als Untergrenze. Wo für eine Karte keine Herstellerempfehlung hinterlegt ist, steht in der Tabelle ein Strich.
Quellen: Intel, ATX12VO Design Guide · AnandTech, ATX 3.1 und Lastspitzen · Corsair, digitale Netzteile · Herstellerangaben von Nvidia und AMD zur Netzteilgröße.